Sterbefallstatistiken


Vorbemerkungen:

Diese Auswertung unterscheidet sich von den bisherigen Sterbefall-Auswertungen.
Bisher wurden die Zahl der COVID-Toten aus den täglich publizierten Daten des Sozialministeriums errechnet.
In diesen Daten werden die Todesfälle dem Meldedatum und nicht dem tatsächlichen Sterbedatum zugerechnet. Durch „aufgestaute Nachmeldungen“ kam es dabei zu irregulären Spitzenwerten.

Ab jetzt rechnen wir mit den tatsächlichen Sterbedaten, die den Download-Dateien der Ages zu entnehmen sind.

Sterbefallstatistiken

Die Statistik Austria stellt jetzt Daten über die Zahl der Sterbefälle pro Woche als Open Data zur Verfügung.

Man findet die Zahl der Sterbefälle pro Kalenderwoche gegliedert nach zwei Altersgruppen (<65 und 65+) und nach Geschlecht.

Sterbefallzahlen insgesamt

Die Statistik Austria stellt die wöchentlichen Sterbefallzahlen seit 2000 zum Download zur Verfügung

Die Daten reichen bis Kalenderwoche 26, also bis 2021-07-04.

Sterbefallzahlen jährlich

Die Bevölkerung hat seit 2010 zugenommen, deswegen berechnen wir die Zahl der Todesfälle pro 100.000 Einwohner.

Wir sehen, dass das Jahr 2015 eine merkbar erhöhte Sterblichkeit aufweist. Der Grund ist, dass es um die Jahreswende 2015/16 eine sehr starke Grippewelle mit überdurchnittlich vielen Sterbefällen gegeben hat.

Noch stärker erhöht ist die Zahl der Sterbefälle im Jahr 2020. Das ist die Folge der COVID-19-Pandemie.

Wenn wir die COVID-Todesfälle in der Grafik mit den Todesfällen insgesamt farblich markieren, dann erhalten wor folgendes Bild:

Die nächste Grafik zeigt die Todesfälle pro Million Einwohner und darin die COVID-Todesfälle farblich markiert.

Sterbefallzahlen wöchentlich

Wir stellen die wöchentlichen Sterbefallzahlen im Folgenden als Kurven dar.

Als Zahlen aus einem „normalen“ Jahr nimmt man dazu einen Durchschnitt mehrerer vorangegangener Jahre.

Dabei gibt es allerdings ein Problem: Es gab in den jeweils um die Jahreswenden 2014-2015, 2016-2017 und 2017-2018 sehr starke Grippewellen, die Zahlen waren in diesen Perioden deutlich höher als sonst.

Daher wird in diesem Bericht jedes Jahr von 2010 bis 2020 mit einer eigenen Kurve dargestellt. Wegen der Grippewellen um Neujahr herum sind in den folgenden Grafiken die Jahre immer beginnend Mitte Juni dargestellt.

Die höchsten Werte um den Jahreswechsel herum sind so besser zusammenhängend als „Berg“ erkennbar.

Die „normalen“ Sterbezahlen berechnen wir als Durchschnitt der Jahre, in denen es keine besonders stark ausgeprägte Grippewelle gab, also die Jahre 2014-2015, 2016-2017, und 2017-2018.

Die folgende Grafik zeigt diese Sterbefallzahlen.

Wir sehen, dass es um die Jahreswende 2016-2017 (infolge einer Grippewelle) besonders viele Sterbefälle gegeben hat.

Im März 2015 und im März 2018 waren ebenfalls auffällig viele Todesfälle zu verzeichnen.

Die Sterbefallzahlen steigen um Jahr 2020 ab Kalenderwoche 40 stark an und erreichen in Kalenderwoche 49 den höchsten Wert.

Die Kurve der Strebefallzahlen ab Kalenderwoche 40 im Jahr 2020 (COVID-19) liegt deutlich über der Kurve um die Jahreswende 2016-2017 (sehr starke Grippewelle).

Im Zusammenhang mit diesen Sterbefallzahlen ist jetzt oft von Übersterblichkeit die Rede. Damit meint man die Zahl der Sterbefälle, die über das hinausgeht, die man in einem „normalen“ Jahr erwartet.

In der folgenden Darstellung sieht man eine bereinigte Kurve für die Jahre 2020-2021. Dazu ziehen wir die Zahlen der als COVID-19 diagnostizierten Sterbefälle von den gesamten wöchentlichen Sterbefallzahlen ab. Diese Zahl zeigt die neongrüne Kurve.

Wir sehen, dass das Jahr 2020 ohne COVID-19-Todesfälle im Vergleich zu den anderen Jahren bis Kalenderwoche 42 unauffällig gewesen wäre. Ab Jahreswende 2020-2021 liegt die Kurve ohne COVID-Fälle ziemlich niedrig. Einer der Gründe ist sicher, dass es fast keine Grippefälle gegeben hat.

Sterbefallzahlen - Bundesländer

Die folgende Grafik zeigt den Verlauf der Sterbefallzahlkurven in den einzelnen Bundesländern.

Wieder geben die neongrünen Kurven die Zahl der Sterbefälle ohne COVID-19-Sterbefälle an. Der Abstand zwischen der dunkelorangen und der neongelben Kurve ist also die „Übersterblichkeit“ durch COVID-19.

Den ausgeprägtesten Unterschied zwischen diesen beiden Kurven gibt es in Oberösterreich, Kärnten und der Steiermark.

Der Vergleich der Sterbefälle berücksichtigt nicht, dass die Bevölkerung seit 2010 stetig zugenommen und sich in der Zusammensetzung verändert hat. Deshalb ist ein Vergleich der absoluten Sterbefallzahlen eine Überlagerung der demografischen Entwicklung und des Sterberisikos in verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Wir untersuchen daher im nächsten Abschnitt die Sterbefallzahlen verschiedener Gruppen bezogen auf jeweils 1 Million Angehöriger der jeweiligen Gruppen. Man kann diese Zahl als gruppenspezifisches Sterberisiko bezeichnen.

Sterbefallzahlen pro 1 Million

Sterbefallzahlen insgesamt

Die folgende Grafik zeigt die gesamten Sterbefallzahlen pro 1 Million.

Nach dieser Bereinigung der Sterbefallzahlen liegen die Zahlen für die erste Hälfte von 2020 bis ungefähr Ende Feber im mittleren Bereich der Kurven der Wochenwerte. Danach sinken die Werte in allen früheren Jahren, im Jahre 2020 bleibt die Tendenz aber bis Kalenderwoche 16 steigend. In der zweiten Jahreshälfte liegt die Kurve eine Zeitlang fast doppelt so hoch wie im dem übrigen Jahren.

In Kalenderwoche 17 des Jahres 2020 fallen die Sterbefallzahlen dann auf das Durchschnittsniveau anderer Jahre und bleiben auch in den folgenden Wochen dort.

Die folgende Grafik zeigt für das Jahr 2020 auch die bereinigten Sterbefallzahlen, also die um die COVID-Sterbefallzahlen verringerten gesamten Sterbezahlen.

Sterbefallzahlen - Bundesländer

In den folgenden Grafiken verwenden wir weiterhin normalisierte Sterbefallzahlen.

Gegliedert nach Geschlecht sehen die Verlaufskurven so aus:

Sterbefallzahlen nach Geschlecht

Im Jahr 2020 gibt es in der gesamten Bevölkerung geringfügig weniger Männer als Frauen. Der Anteil der Männer ist 49,2%, der Anteil der Frauen 50,8%.

Sterbefallzahlen nach Alter

Gliedern wir die Sterbefallzahlen nach dem Alter, dann erhalten wir folgende Grafik:

Im Jahr 2020 gehören 81,2% der Bevölkerung zur Altersgruppe <65 und 18,8% zur Altersgruppe 65+.

In der Altersgruppe <65 ist die Sterbefallzahl pro 1 Million sehr gering (kleiner als 75) und verschwindet nahezu gegenüber den Zahlen der Altersgruppe 65+ (zwischen 750 und 1400).

Sterbefallzahlen nach Alter und Geschlecht

Gliedern wir die Pro-Kopf-Sterbefallzahlen in der Altersgruppe <65 nach Geschlecht, dann erhalten wir folgendes Bild:

In dieser Altersgruppe gibt es 2020 geringfügig mehr Männer als Frauen, nämlich 50,5% Männer und 49,5% Frauen.

Die Sterbefallzahlen bei den Männern sind generell fast doppelt so hoch wie bei Frauen, eine auf COVID-19 zurückzuführende Steigerung ist aber nicht zu beobachten.

Als Abschluss vergleichen wir noch die Pro-Kopf-Sterbezahlen in der Altersgruppe 65+ gegliedert nach Geschlecht:

In dieser Altersgruppe gibt es 2020 deutlich weniger Männer als Frauen, nämlich 43,3% Männer und 56,7% Frauen.

Bei den Frauen ist die Sterblichkeit im Vergleich zu vielen früheren Jahren (insbesondere zu Jahren mit starker Grippewelle) eher deutlich weniger erhöht als bei den Männern.

Das Sterberisiko der Männer ist in dieser Altersgruppe jedenfalls im Vergleich zu den Frauen deutlich erhöht.

Danksagung

Dank für geduldiges und präzises semantisches, syntaktisches und grammatikalisches Korrekturlesen an