Sterbefallstatistiken


Sterbefallstatistiken

Die Statistik Austria stellt jetzt Daten über die Zahl der Sterbefälle pro Woche als Open Data zur Verfügung.

Man findet die Zahl der Sterbefälle pro Kalenderwoche gegliedert nach zwei Altersgruppen (<65 und 65+) und nach Geschlecht.

Sterbefallzahlen insgesamt

Die Statistik Austria stellt die wöchentlichen Sterbefallzahlen seit 2000 zum Download zur Verfügung

Die Daten reichen bis Kalenderwoche 33, also bis 2020-08-16.

Wir stellen diese wöchentlichen Sterbefallzahlen im Folgenden als Kurven dar.

Als Zahlen aus einem „normalen“ Jahr nimmt man dazu einen Durchschnitt mehrerer vorangegangener Jahre.

Dabei gibt es allerdings ein Problem: Es gab in den jeweils um die Jahreswenden 2014-2015, 2016-2017 und 2017-2018 sehr starke Grippewellen, die Zahlen waren in diesen Perioden deutlich höher als sonst.

Daher wird in diesem Bericht jedes Jahr von 2010 bis 2020 mit einer eigenen Kurve dargestellt. Wegen der Grippewellen um Neujahr herum sind in den folgenden Grafiken die Jahre immer beginnend Mitte Juni dargestellt.

Die höchsten Werte um den Jahreswechsel herum sind so besser zusammenhängend als „Berg“ erkennbar.

Die „normalen“ Sterbezahlen berechnen wir als Durchschnitt der Jahre, in denen es keine besonders stark ausgeprägte Grippewelle gab, also die Jahre 2014-2015, 2016-2017, und 2017-2018.

Die folgende Grafik zeigt diese Sterbefallzahlen.

Wir sehen, dass es um die Jahreswende 2016-2017 (infolge einer Grippewelle) besonders viele Sterbefälle gegeben hat.

Im März 2015 und im März 2018 waren ebenfalls auffällig viele Todesfälle zu verzeichnen.

Die Sterbefallzahlen von 2020 sind in Kalenderwoche 5 sehr hoch und sinken danach zunächst einmal stark. Ab Kalenderwoche 7 sehen wir einen stetigen Anstieg, der bis Kalenderwochen 16 anhält. In Kalenderwoche 17 nähern sich die Zahlen dann wieder dem Durchschnitt.

Eine mögliche Erklärung ist, dass es 2020 eine nicht stark ausgeprägte Grippewelle gegeben hat, die zu weniger Todesfällen als Grippewellen früherer Jahre geführt hat. Anschließend daran hat dann die COVID-19-Infektionswelle begonnen. Grippewellen früherer Jahre waren teilweise stärker, sind aber spätestens in Kalenderwoche 13 (Ende März) zu Ende.

Die von COVID-19 verursachten Sterbefälle erhöhen die Gesamtsterblichkeit bis ungefähr 20. April, danach ist die Sterblichkeit auch 2020 wieder im üblichen Rahmen.

Im Zusammenhang mit diesen Sterbefallzahlen ist jetzt oft von Übersterblichkeit die Rede. Damit meint man die Zahl der Sterbefälle, die über das hinausgeht, die man in einem „normalen“ Jahr erwartet.

In der folgenden Darstellung sieht man eine bereinigte Kurve für das Jahr 2020. Dazu ziehen wir die Zahlen der als COVID-19 diagnostizierten Sterbefälle von den gesamten wöchentlichen Sterbefallzahlen ab. Diese Zahl zeigt die dunkelgelbe Kurve.

Wir sehen, dass das Jahr 2020 ohne COVID-19-Todesfälle im Vergleich zu den anderen Jahren unauffällig gewesen wäre und zuletzt sogar leicht unterhalb des Durchschnittswerts liegt.

Sterbefallzahlen - Bundesländer

Die folgende Grafik zeigt den Verlauf der Sterbefallzahlkurven in den einzelnen Bundesländern.

Wieder geben die gelben Kurven die Zahl der Sterbefälle ohne COVID-19-Sterbefälle an. Der Abstand zwischen der roten und der gelben Kurve ist also die „Übersterblichkeit“ durch COVID-19. Auffällige Unterschiede zwischen den beiden Kurven gibt es in der Steiermark und die ausgeprägtesten Unterschiede in Tirol. In diesen beiden Bundesländern verlaufen die roten Kurven deutlich außerhalb des Bereichs, in dem die Werte der übrigen Jahre liegen, die bereinigten Kurven liegen aber im selben Bereich wie die Kurven der anderen Jahre.

Der Vergleich der Sterbefälle berücksichtigt nicht, dass die Bevölkerung seit 2010 stetig zugenommen und sich in der Zusammensetzung verändert hat. Deshalb ist ein Vergleich der absoluten Sterbefallzahlen eine Überlagerung der demografischen Entwicklung und des Sterberisikos in verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Wir untersuchen daher im nächsten Abschnitt die Sterbefallzahlen verschiedener Gruppen bezogen auf jeweils 1 Million Angehöriger der jeweiligen Gruppen. Man kann diese Zahl als gruppenspezifisches Sterberisiko bezeichnen.

Sterbefallzahlen pro 1 Million

Sterbefallzahlen insgesamt

Die folgende Grafik zeigt die gesamten Sterbefallzahlen pro 1 Million.

Nach dieser Bereinigung der Sterbefallzahlen liegen die Zahlen für 2020 bis ungefähr Ende Feber im mittleren Bereich der Kurven der Wochenwerte. Danach sinken die Werte in allen früheren Jahren, im Jahre 2020 bleibt die Tendenz aber bis Kalenderwoche 16 steigend.

In Kalenderwoche 17 des Jahres 2020 fallen die Sterbefallzahlen dann auf das Durchschnittsniveau anderer Jahre und bleiben auch in den folgenden Wochen dort.

Die folgende Grafik zeigt für das Jahr 2020 auch die bereinigten Sterbefallzahlen, also die um die COVID-Sterbefallzahlen verringerten gesamten Sterbezahlen.

Auch in dieser Grafik sieht man, dass das Jahr 2020 bezüglich der Pro-Kopf-Sterbefälle in das Muster der früheren Jahre passt, wenn man die COVID-Sterbefälle herausrechnet. In Kalenderwoche 17 und 18 liegen die bereinigten Zahlen im Verglech zu früheren Jahren eher tiefer, in Kalenderwoche 18 wieder im „Normalbereich“.

Sterbefallzahlen - Bundesländer

Auch in dieser Grafik sehen wir, dass sich die Covid-19-bereinigte Sterbefallzahlkurve nur in der Steiermark und in Tirol merkbar von der unbereinigten unterscheidet.

In den folgenden Grafiken verwenden wir weiterhin normalisierte Sterbefallzahlen.

Gegliedert nach Geschlecht sehen die Verlaufskurven so aus:

Sterbefallzahlen nach Geschlecht

Im Jahr 2020 gibt es in der gesamten Bevölkerung geringfügig weniger Männer als Frauen. Der Anteil der Männer ist 49,2%, der Anteil der Frauen 50,8%.

Bei den Männern liegen die Kurven der letzten Wochen deutlicher oberhalb der früheren Kurven als bei den Frauen. Der letzte Wert der Kurve der Männer ist höher als in der entsprechenden Woche in allen früheren Jahren.

In beiden Fällen sind in früheren Jahren die Kurven ab Mitte März stark gesunken, das ist diesmal erst Ende April der Fall.

Sterbefallzahlen nach Alter

Gliedern wir die Sterbefallzahlen nach dem Alter, dann erhalten wir folgende Grafik:

Im Jahr 2020 gehören 81,2% der Bevölkerung zur Altersgruppe <65 und 18,8% zur Altersgruppe 65+.

In der Altersgruppe <65 ist die Sterbefallzahl pro 1 Million sehr gering (kleiner als 75) und verschwindet nahezu gegenüber den Zahlen der Altersgruppe 65+ (ungefähr 1000).

Bei der Altersgruppe 65+ liegen die normalisierten Sterbefallzahlen in den letzten Wochen (verglichen mit den entsprechenden Wochen früherer Jahre) im oberen Bereich der Jahreskurven. Im Gegensatz zu den Vergleichswochen früherer Jahre ist bis Mitte März keine Abnahme der Zahlen feststellbar, die tritt erst Ende April ein.

Sterbefallzahlen nach Alter und Geschlecht

Gliedern wir die Pro-Kopf-Sterbefallzahlen in der Altersgruppe <65 nach Geschlecht, dann erhalten wir folgendes Bild:

In dieser Altersgruppe gibt es 2020 geringfügig mehr Männer als Frauen, nämlich 50,5% Männer und 49,5% Frauen.

Die Sterbefallzahlen bei den Männern sind generell fast doppelt so hoch wie bei Frauen, eine auf COVID-19 zurückzuführende Steigerung in den vergangenen Wochen ist aber nicht zu beobachten.

Als Abschluss vergleichen wir noch die Pro-Kopf-Sterbezahlen in der Altersgruppe 65+ gegliedert nach Geschlecht:

In dieser Altersgruppe gibt es 2020 deutlich weniger Männer als Frauen, nämlich 43,3% Männer und 56,7% Frauen.

Bei den Frauen ist die Sterblichkeit im Vergleich zu vielen früheren Jahren (insbesondere zu Jahren mit starker Grippewelle) eher im unteren Bereich. Auch während der Zeit der COVID-19-Infektionen ist die Sterblichkeit (mit Ausnahme einer einzigen Woche) nicht höher als in früheren Jahren. Nur ungefähr Mitte April tritt das normalerweise im April beobachtbare Absinken der Sterblichkeit noch nicht auf, sondern erst verschoben auf Ende April.

Bei den Männern sind die Pro-Kopf-Sterbefallzahlen generell höher als bei den Frauen. Auch hier bemerken wir, dass das üblicherweise bemerkbare Absinken der Sterbezahlen Mitte April 2020 erst verzögert ab Ende April zu beobachten ist.

Seit Ende Jänner 2020 ist der Geschlechterunterschied bei den Pro-Kopf-Sterbefallzahlen noch größer, die Zahlen der Männer sind um etwa 20% höher als die der Frauen. In dieser Altersgruppe gibt es allerdings ungefähr 30% mehr Frauen als Männer, daher ist dieser Unterschied bei den absoluten Sterbefallzahlen dieser Altersgruppe nicht unmittelbar ersichtlich.

Das Sterberisiko der Männer ist in dieser Altersgruppe jedenfalls im Vergleich zu den Frauen deutlich erhöht.

Danksagung

Dank für geduldiges und präzises semantisches, syntaktisches und grammatikalisches Korrekturlesen an